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Osterfest / Jutrońčka

Am Gründonnerstag (Zeleny štwórtk) gedenken die Christen des letzten Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern und am Karfreitag (Wulki pjatk) des Todes Jesu Christi am Kreuz. Deshalb schweigen am Karfreitag sowie am Karsamstag (Ćicha sobota) die Glocken. An beiden Tagen sind früh, mittags und abends Jungen mit Holzklappern unterwegs. Sie ziehen laut klappernd zu verschiedenen Kreuzen im Ort, um gemeinsam zu beten. Das Klappern ersetzt so das sonst übliche Geläut zu Tagesbeginn, zur Mittagszeit und zum Abend.

Ostern (Jutry) ist für die Katholiken das größte Fest. An diesem Tag wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Diese Botschaft wird in der Osternacht (Jutrowna nóc) in allen Kirchen verkündet. Die Pfarrgemeinden der katholischen sorbischen Oberlausitz begehen diesen kirchlichen Feiertag auf besondere Weise. Schon seit mehreren Jahrhunderten ist es Tradition, dass die Osterreiter (Křižerjo) in Prozessionen die Botschaft von der Auferstehung Christi in die Nachbargemeinde tragen.

Es ist bekannt, dass bereits Ende des 15. Jahrhunderts zwischen Hoyerswerda (Wojerjecy) und Wittichenau (Kulow) solche Prozessionen stattfanden. Die Wurzeln dieses kirchlichen Brauches reichen wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück. Durch Feldumritte glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelten sich diese in christliche Prozessionen, die heute ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellen.

In den letzten Jahren wurden stets ca. 1.200 Osterreiter gezählt, und dies ungeachtet der Tatsache, dass ihnen erhebliche Opfer abverlangt werden. So stehen die arbeitsfreien Tage im Zeichen der Vorbereitung auf das große Fest. Der Pferdebestand in unserer sorbischen Heimat ist nicht ausreichend. Daher leihen sich viele Osterreiter für diesen Tag Pferde aus, oft aus weit entfernten Orten. So kann dieser alte Brauch weiterleben.

Die ökumenische Zusammenarbeit ist auch beim Osterreiten gewachsen. Evangelische Christen helfen ihren katholischen Glaubensbrüdern beim Besorgen der Pferde.

Was früher undenkbar war, ist heute möglich -hier und da reitet auch ein evangelischer Christ in einer Osterreiterprozession mit und verkündet so die Auferstehung Christi.

Quelle: Sorbische Kulturinformation, "Ostern bei den Sorben", Bautzen 2002, Internet: http://www.sorben.com/ski

Foto: Ostern, Ralbitz, 2003, radyserb